Anreise

Nachmittags zwei Uhr fuhr die Kleinbahn vom kleinen Bahnhof  in Schässburg in Richtung Hermannstadt ab. Nach dem Postwagen kam ein Personenwagen, der war zur Hälfte erster Klasse, die andere Hälfte Zweiter Klasse.

Danach folgten zwei bis drei Wägelchen dritter Klasse und wenn sie als „Kombinierte“ fuhr, zwei bis drei Güterwagen.
So  puffte  das Bimmelbänchen durch die Stadt, pfiffff manchmal, damit es auch jeder wahrnahm. An der Konditorei  Martini hielt es nochmals an, um die Frauen vom Markt mitzunehmen oder den einen oder andern Prominenten, der aus Bequemlichkeit nicht zum Bahnhof gehen wollte.  Nun ging es mit einer Rauchfahne und einem kräftigen Pfeifen weiter in  Richtung Schaas.
Die Schaaser sind durch ihre sogenannte „Schaaser Witze“ bekannt, mit denen sie die Schäßburger gewöhnlich aufzogen. Ihre Aussprache betonte das „J“, wie die Berliner von einer „juten Jabe Jottes“ redeten: „Won as Jehs en Jetter wär“, zu deutsch, „wenn unsere Ziege eine Kuh wäre“.
Weiter ging es in Richtung Trappold, eine stattliche deutsche Gemeinde mit einer stolzen Kirchenburg, so, man sie in Siebenbürgen oft sieht. Berühmt ist Trappold durch unsern Volksdichter Michael Albert.
Von Trappold fährt unser Bähnchen weiter den Berg hinauf in Richtung Henndorf, wobei es sich in einigen Windungen den Berg hinauf müht. Die Straßen  und vor allem ein Gehweg, der direkt nach Henndorf führt, wird von den Schienen des Bähnleins des öfteren überquert. Oben angekommen macht das Bähnlein eine Pause, schiebt die Personenwagen auf ein für diesen Zweck angelegtes Nebengleis und die Lok fährt nach Trappold zurück, um die Güterwagen hochzufahren, die es, der Steigung wegen, getrennt hochfahren mußte.

Wir haben nun Gelegenheit, uns in der Zwischenzeit die Gegend anzuschauen.

Der Berg. Auf dem wir stehen, bildet die Wasserscheide zwischen dem Alt und dem Mieresch, Wobei das Wasser aus Henndorf in den Alt und dann durch den roten Turmpass in die Donau fließt und das von Trappod über die Kochel, den Mieresch, in die Theiss und in die Donau. Nun geht es den Berg hinunter nach Henndorf und damit in unser heimatliches „Harbachtal“. In Henndorf gesellt sich dem kleinen Bach nun der von Bekockten kommende Harbach hinzu und fließt, gespeist von vielen Nebenbächen in Richtung Hermannstadt, wo er dann in den Zibien und später in den Alt mündet.
Wir fahren nun weiter nach Neidhausen, das durch den sogenannten Fischteich bekannt ist. In Neithausen ist der Harbach nämlich  zu einem Teich gestaut.

Gegenüber von Neidhausen liegt Neustadt, ein Dorf von fleißigen Bauern, die sich überwiegend mit Milchwirtschaft befaßten. Das war auch der Grund, daß in Neidhausen die Käserei Zimmermann entstanden war.

Weiter fahren wir nun nach Jakobsdorf, das in einem Nebental des Harbaches liegt und ebenfalls auf Milchwirtschaft, begünstigt durch die Käserei, eingestellt war. Jakobsdorf hatte einen berühmten Viehmarkt, und war wie alle anderen Dörfer, ein Dorf sehr fleißiger Bauer.

Nach Jakobsdorf kommen wir nach Probsdorf, auch in einem Seitental des Harbaches gelegen und das etwas reichere Betriebe besaß, bedingt durch einen großen Hattert (Gemarkung).Die Kirchburg stand, im Gegensatz zu den meisten, die auf einer Anhöhe stehen, in Probsdorf im Tal.

Das nächste Dorf ist nun mein und unser aller geliebtes Roseln. Wie viel ist doch mit diesem Namen verbunden: Heimat, Schicksal, Kindheit, Elternhaus, Jugend, die vielen lieben Menschen und vieles, vieles mehr!