Kulturelles

Alles, was man in Roseln an Kulturellem sucht, gehört der Vergangenheit an, denn in Roseln lebt nur noch ein einziger Sachse. So kann man sagen, daß unsere Kultur nur noch in den Herzen der Roseler lebt, Roseler, die in  ganz  Deutschland verstreut leben, so daß ihre einstige Kultur nur noch in Gedanken fortlebt. Somit fällt es mir schwer, meine Erinnerungen unter „ es war einmal....“ zu betrachten. Ich will versuchen, mir all das, was einmal war, ins Gedächtnis zurückzurufen. Wollen wir einmal mit Fasching beginnen. An dem nächstgelegenen Sonntag nach dem 25 Januar gingen alle Männer, festlich gekleidet, zum Altnachbar-Vater, das Wort besagt schon, daß die Männer in Nachbarschaften organisiert waren. Da gab es die obere, die mittlere und die winklere Nachbarschaft. Gegen 8 Uhr versammelte sich die Nachbarschaft vor dem Haus des Nachbarvaters, mit Gesangbüchern und Laternen ausgerüstet

Und sangen ein Choral. „ Großer Gott, wir loben Dich“. Nach dem abklingen des Gesangs gingen die Nachbarn ins Haus und nahmen an gedeckten Tischen Platz. Dann wurde  das Offizielle zuerst erledigt,(Kirchengebäude, Friedhof,

Holz für den Herr Pfarrer, u. a. Dann ging man zum gemütlichen Teil über. Das Essen wurde vom Nachbarvater getragen ,die Wein kosten wurden auf die Mitglieder verteilt. Nachbarvater wurde man dem Alter nach, nach der Reihe.

Es wurde gegessen, getrunken, viel Spaß gemacht . Bei fortgeschrittener Stimmung sprach man sich mit dem Spitznamen an. Es wurde gesungen, es wurde nach den Klängen der Ziehharmonika getanzt, mit der Nachbar Mutter, wenn vorhanden, mit der Tochter und auch Männer untereinander, bis tief in die Nacht hinein. Am Morgen 9 Uhr ging es weiter. Wer nicht pünktlich war, wurde mit Musik auf einem Schlitten in gefesseltem Zustand herbei geschleppt.

Nach dem Mittagessen am Montag wurde dann auf die Straße gegangen, jede Nachbarschaft lies sich etwas einfallen.

Die Frauen feierten den Fasching Gesondert. Abends gab es den sogenannten Faschingsball .Wie durch ein Wunder waren die Brüder wieder fähig, zu Tanzen. Jeder kam mit seiner Frau zum Faschingsball. Musik machten die Adjuwanten  (Blaskapelle),deren Instrumente der Kirche gehörten. Ausgebildet und geführt wurden sie vom Dorfschullehrer. Es vergingen einige Wintertage im gewohnten Rhythmus mit gewöhnlichen Arbeiten, wie Tiere versorgen, Holz hacken, mal in die Mühle fahren um etwas feines Mehl zu mahlen, denn es nahte ein weiterer Festtag, der einiges an Vorbereitungen verlangte. Der zweite Februar zu Maria Lichtmeß war „ Blasi“ ein Feiertag überwiegend für Kinder, alter von 5-15 Jahren. Für die Jugend war erst einmal Fastenzeit. Zwar gingen die Mädchen abends in die sogenannte Spinnstube.

Wie der Name sagt, wurde innerhalb der Gasse jeden Abend eine Anzahl junger Mädchen zu einem Spinnabend eingeladen. Das Mädchen ,welches die Spinnstube beherbergte, stelle in der guten Stube Bänke und Stühle zurecht und dann saßen die Spinnerinnen mit ihren Riucken ( ein Holzstab ),hatten einen Zopf Hanf daran und dann wurde von Hand gesponnen. Die Burschen saßen im Nebenraum und unterhielten sich nach ihrer Art, mit einem Kartenspiel. So gegen 22 Uhr war der Zopf dann zu Ende, dann ging jeder zu seinem Liebchen und es wurden noch einige Spiele gemacht, z. b.

„der Stuhl ruckt sich“ wobei  man dann an einen  Kuß kam. Um 23 Uhr war die Spinnstube zu Ende und nun kam das schönste vom ganzen Abend. Jeder, der eine Freundin  hatte, begleitete sie nach hause. Dieses nannte man „bat Dirchen giun“. Dirchen war das Gassentürchen. Das Landleben in Roseln bleibt wohl jedem Roseler Zeit seines Lebens in guter Erinnerung. Der Winter war quasi eine Erholung, man kannte kein Hasten, das Wort Hektik gab es hoch nicht und man lebte in den Alltag hinein ohne Sorgen. Es war , wie man heute sagen  würde, eine heile Welt.

Am Palmsonntag war immer Konfirmation. Am Ostersonntag wurden die Dorfjungen in die Bruderschaft, und die Mädchen in die Schwesterschaft aufgenommen. Dies war eine Kirchliche Organisation und mit kirchlichen  Statuten versehen. Kirchgang war Pflicht, zwar in Kirchentracht. Die Mädchen trugen eine schwarze Jacke, einen schwarzen Rock, und auf dem Kopf den „ Buirten „ einen Zylinder förmlichen Hut, mit bunten Bändern, die bis zur Kniekehle reichten. Die Jungen trugen die „Dalămeun” eine Jacke, wie sie bei den Husaren der alten Österreich-Ungariscgen Armee üblich war. Die Formationen hatten auch eine völkische Bedeutung, um das Sachsentum ( Deutschtums ) zu Erhalten. Wir wären nicht über acht Jahrhunderte hinweg das geblieben, was wir noch heute sind: gute Deutsche mit einem ausgesprochenen Nationalbewußtsein.

Am Ostersamstag wurden die Fenster mit Tannenzweigen umrahmt, in dem die Tannen mit Nägel befestigt wurden. Ersten Ostertag ging alles, zur Kirche. Nach der Kirche wurde für den Pfarrer Spalier gestanden. Das ganze Dorf stand in zwei Reihen bis zum Pastoralgebäude und die „Adjuvanten“ ( Musikkapelle ) spielten den Choral „Jesu lebt, in ihm auch ich“. Die Kinder bekamen von der Frau Pfarrer einen Lebkuchen als Geschenk. Nachmittag bekamen die Kinder noch einen Lebkuchen und zwar von den Taufpaten.

Am zweiten Ostertag gingen die Knaben „Bespritzen“ zu den nicht Konfirmierten Mädchen mit einem Fläschchen Kölnisch Wasser, zur Belohnung gab es gefärbte Eier.

Am dritten Ostertag kamen die Burschen dran. Mit ähnlichen Fläschchen, nur in größerer Ausführung, gingen 5-6 Mann zu ihren Konfirmierten Mädchen, denen sie die Fenster geschmückt hatten, zum „Bespritzen“. Da wurden gefärbte Eier gegessen, und Likör getrunken, und zur Musik getanzt „Ziehharmonika“ . Dann ging man zum nächsten  Mädchen, nahm dieses mit und so kam  am Schluß das ganze Kränzchen zusammen. Über die Gassen ging es selbstverständlich mit Musik.

Abends war der berühmte Jugendball da kam man noch einmal mit frischer Kraft zum Tanz: die Mädchen in schneeweißen Röcken mit  schwarzem Leibchen, im Haar ein buntes Band mit bunten Bänder daran. Die Burschen mit Weißem Hemd, schwarzen Hosen und Stiefeln. Die Adjuvanten spielten zum Tanz auf, es war der reinste Gala-Abend! Der Tanz ging bis in die frühen  Morgen.

Zur Kultur der Roseler gehörte auch der Umgang miteinander. Man sprach sich mit Bruder an, vor allem, wenn es um etwas Wichtiges ging. Die Frauen Sprachen sich mit „Herz“ an, indem sie vor das Wort „Herz“ das Wort „mein“ setzten: Wot dinkste, menj Harz ? ( was denkst du ,mein Herz ). Dadurch hatten die Roseler den Namen „Dau Harzen“ ( die Herzen )  eingehandelt Etwas zynisch wurden die Roseler auch „dà Verbroaiden“ genannt. Ich schätze, das kommt davon, daß man in Roseln für einen Schlag (in Gesicht) schon mal sagte „ich verbrenn, dir eins“.

Ansonsten war der Roseler sehr gastfreundlich. Bekam man einen Gast von auswärts, so wurde ihm ein Bett in der guten Stube zurecht gemacht, das beste Essen wurde ihm aufgetischt, vom Wein gar nicht zu sprechen. Sonntag wurde der Gast mit in die Kirche genommen und dabei mit einem gewissen Stolz vor gestellt.

Pfingsten feierte man in besonderem Stil: Das begann zunächst einmal mit dem Aufstellen der Maibäume für die Mädchen. Jedes Mädchen im Dorf, bekam in der Nacht zum Pfingstsonntag zwei Birkenbäume gesetzt.

Der erste Feiertag war mit Kirchgang und gewöhnlich mit dem Besuch von Verwanden ausgefüllt. Am zweiten  Feiertag rückte die Bruderschaft aus, um in einem nahegelegenen  Wald ein Waldfest vorzubereiten. Dieses Fest hieß „Gligàuri”,woher der Name rührte entzieht sich  meiner Kenntnis. Da wurde eine Tanzfläche für die Erwachsenen hergerichtet, eine für die  Jugend und eine für Kinder, Die Flächen wurden im Halbkreis angelegt, in der Mitte war Platz für die Adjuvanten.

Am zweiten Pfingsttag war auch das Hahnenschießen . Roseln  hatte einige hochkarätige Jäger, der Hahn wurde auf ca. 300-400 m an einen Strauch festgebunden, auf den dann Geschossen wurde, natürlich mit der Kugel.

Am dritten  Pfingsttag blieb nur Hund und Katze im Dorf, alle gingen zum Gligàuri. Die meisten fuhren mit dem Wagen, in dem Korb das Gebackene, in der Kasserolle der Kalbsbraten. Getrunken wurde nur Bier an diesem Fest ,für die Kinder war auch ein Tante-Emma-Laden mit Süßigkeiten. Mittags setzte man sich auf den Rasen und es wurde gegessen. Es wurde immer wieder getanzt. Plötzlich wurde ein Feld vorbereitet, ein zahmes Pferd wurde herbeigeholt, die Zugstränge vom Geschirr wurden ihm an die Fessel der Hinterbeine gestrickt, damit es nicht ausschlagen konnte. Dann hieß es: Pferd springen. Wer von hinten auf den Rücken des Pferdes kam, wurde mit großem Applaus gerühmt. Der Wutz des Tages war natürlich, wenn einer das nicht schaffte und dem Pferd gegen den Hintern rannte.

Die Jugend unterhielt sich zwischendurch mit Wettläufen, Sackhüpfen, und dergleichen.

Die Tanzplätze blieben erhalten, im nächsten Jahr wurden sie nur ausgebessert.

Wir haben den 28. Juni. Der  Altknecht und einige Burschen aus der Nachbarschaft fahren in den Wald .Es wird ein Baumstamm in der Stärke eines Telefonmastes und ca. 10m hoch aus Eiche oder Buche gefällt. Dieser wird von der Schule zurecht gemacht, geschält, in der Mitte bei ca. 4m Höhe durchbohrt und mit einem Stiel in Stärke eines Besenstiel mit ca.40cm Länge versehen .Dann wird ein 2m tiefes Loch gegraben ,an der Spitze des Mastes  ein Wagenrad angebracht und dieses Rad mit einer Krone versehen. Dem Rad wird eine Speiche entfernt, anschließend wird der Mast mit Seife ganz glatt poliert und nun ist es so weit: die Peter-&-Paulskrone wird aufgestellt. In der Krone ist eine Flasche Wie und Kuchen Befestigt. Am 29 Juni wird um die Peter & Paulskrone getanzt. Nachmittag um 2 Uhr versammelt sich das ganze Dorf. Die Adjuvanten haben den traditionell gedeckten Tisch, mit grünen Ästen umgeben, mit Musik marschieren die Burschen auf. Nun heißt es: wer klettert diesen Mast hoch?

Als erster versucht der Altknecht. Meistens schafft er es nicht, dann kommt der nächste bis es einer schafft. Mit viel Jubel und einem Tusch wird ihm Applaus gezollt, nachdem er sich durch die fehlende Speiche in die Krone des Rades geschwungen hat, erholt er sich, stärkt sich mit einem Schluck Wein, und hält ein kurze Ansprache. Anschließend wird Getanzt .bis die ersten Rinder aus der Herde kamen denn die mußten auch versorgt werden, so mit war der Peter & Paulstag zu ende, nur die Jugend feierte weiter, sie Tanzten weiter auf die Musik  einer Ziehharmonika.

1946 wurde der Mast  von zwei Rumäner mit Namen ( Coroiu )abgesägt während einer in der Krone seine Ansprache hielt, er konnte noch rechtzeitig herunter kommen. Nach diesem Zwischenfall wurde der Peter & Paulstag ein paar Jahre untersagt-

Der Peter & Paulstag ist abgeklungen und somit ist auch Schluß mit den offiziellen Feierlichkeiten, nun beginnt der Alltag. Zwar trifft sich die Jugend jeden Sonntagabend auf dem Tanzplatz, man unterhält sich und wie verabredet, haken sich  die Mädchen paarweise  ein und gehen Singend durch die Gassen, die Burschen hinterher. Man muß sich die Ruhe auf einem Dorf vorstellen, alle Menschen schliefen, nachdem die Lieder abgeklungen waren, eine goldige Ruhe.

Der Alltag nahm seinen gewohnten Gang, die Feldarbeit füllte ihn voll und ganz aus. Langsam aber sicher ging es auf den Herbst zu, was man dabei an Kulturellem erwähnen könnte, wäre das „Ausschälen“. Der Mais, nachdem er vom Feld eingefahren wurde, lag nun in seinen Kolben in der Ecke eines Raumes, meist war das die Sommerküche. Nun kamen die Jungen und  Mädchen zum Mais schälen. Der Kolben wurde von den Blättern geschält und die geschälten  Kolben kamen in eine Ecke, und die Blätter in eine andere Ecke des Raumes. Bei dem Einfüllen der Blätter in die Tücher spielten manche der Jungen dem Mädchen vor, als würde sie sich vertun und stopften den Mädchen die Röcke voller Blätter.

Mein Rundgang des Kulturellen geht zur Neige, wir nähern uns dem Christag, wie man zu Weihnachten in Roseln sagte. Es steht natürlich in keinem Verhältnis zur Vorweihnachtszeit in Deutschland, von Weihnachten ganz zu schweigen.

Heilig Abend begann erst die festliche Stimmung. Um sechs Uhr läuteten die Glocken  zur Christnacht, alle gingen in die Kirche. Es war das Fest der Kinder. Sie sangen Weihnachtslieder, sagten Gedichte auf. Anschließend  bekam jedes Kind ein kleines Geschenk von der Kirche: ein Taschentuch, einen Bleistift, ein Heft. Zuhause war dann der Baum Geschmückt und es gab kleine Geschenke., meist etwas Gestricktes von der Mama, und ein Paar Nüsse. Größere Wünsche gab es nicht den das Jesuskind wäre auch arm gewesen. Die erwachsene tranken Wie, und die Kinder Tee.

Der erst Weihnachtstag war der Familie. Morgens ging man zur Kirche, nachmittags zur Vesper, und der Tag war im wesentlichen gelaufen. Am zweiten Weihnachtstag wurde in Roseln immer zu einem Theater eingeladen.

Nachmittags zur Generalprobe für die Kinder, Abends für die Erwachsene.

Zwischen den Jahren ging alles seinen gewohnten Gang. Der nächste Feiertag war Neujahr. Silvester wurde immer in kleinen Kränzchen gefeiert. Auf der Speisekarte standen die berühmten Krehnwürstel, eine Art Wienerle. Das Getränk war meistens Glühwein. Der Höhepunkt war dann natürlich das sich um den Hals fallen um 24 Uhr und das Gratulieren. Die jungen Burschen erlaubten sich schon einen Scherz, (       ) indem sie die Gassentürchen aus den  Angeln hoben und sie mit anderen vertauschten, oder ähnliches.

Die Kinder hatten eine besonders große Freude, am Neujahrstag „wünschen“ zu gehen. Jedes Kind, bekam ein zurecht geknüpftes Tuch, gefüllt mit Mamas Krapfen. Nun ging man zu den Verwandten und trug ihnen eine „Wünsch“ vor, ein kleines Gedicht, das man vorher auswendig gelernt hatte. Dann nahmen die Verwandten einige der Krapfen aus dem Tuch und legten die gleiche Anzahl von ihren eigenen Krapfen hinein. Dazu gab es noch ein Paar  Lei ( Geld )

Jedes Kind bekam von seinen Taufpaten das sogenannte „Sträzelchen“, eine Neujahrsbretzel.

Zu Neujahr kam dann noch der sogenannte „Giurschtmeun“. Ein verkleideter  Mann oder Frau aus der Verwandtschaft kam zu den Kindern und fragte jeden nach seinem Verhalten, ob er auch brav sei, und da mußte auch ein Gedicht aufgesagt werden.

Am Neujahrstag gab es immer etwas vom Schwein auf dem Tisch, mit der von Alters her übernommen Begründung, das Schwein würde beim Wühlen mit der Schnauze nach vorne schieben und zum neuen Jahr müßte es auch vorwärts gehen. Wogegen das Huhn nach rückwärts scharrt und deswegen auf dem Neujahrstisch nichts verloren hat.

Ausführlicher im Buch „Wie komm ich nach Roseln“. Von Martin Albrich